16. Oktober 2026 | 16.00 - 16.45 Uhr | Raum "Kandel" | Kongressticket erforderlich
Fachvortrag Leben und Tod

Technik als Trost?


Künstliche Intelligenz zwischen Verheißung und Entgrenzung.

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) gehen gegenwärtig enorme Bedeutungszuschreibungen und Bedeutungsveränderungen einher. Diese betreffen nicht allein die realistischen Potenziale von KI, sondern sind oftmals Teil hoch-spekulativer Zukunftserzählungen, die auf weitreichenden Technikversprechungen basieren.

Zur besseren Einordnung bettet der Vortrag zunächst die gesellschaftliche Wahrnehmung von KI in vier prototypische Zukunftsnarrative ein. Anhand von Beispielen wird verdeutlicht, wie jedem dieser Narrative eine gesellschaftliche Funktion zukommt und keines allein zur Prognose zukünftiger Entwicklungen herangezogen werden kann.

Auf dieser Grundlage widmet sich der Vortrag einem besonderen Anwendungsfeld von KI: Mittlerweile wird KI immer häufiger als Kurator menschlichen Lebens und menschlicher Erinnerung eingesetzt. Damit wird einerseits eine lange Traditionslinie fortgesetzt, die auf klassischen Erinnerungsmedien wie Malerei und Fotografie aufsetzt. Andererseits entsteht eine vollkommen neue individuelle und kollektive Erinnerungskultur. Im Bereich biografischer Erinnerung ersetzen interaktive Avatare die Erstellung einer kohärenten Lebenserzählung, im Bereich individueller Trauer und kollektiver Erinnerung transzendieren Avatare und Hologramme die Art der Erinnerungskultur schleichend und zugleich radikal.

Es wird deshalb darum gehen, die damit einhergehenden Rollenverteilungen zwischen Technik und Mensch neu zu verorten, nach ethischen Sollbruchstellen und (langfristigen) gesellschaftlichen Implikationen dieser disruptiven Innovationen zu fragen – und dabei den Fluchtpunkt aller KI-Utopien, digitale Unsterblichkeit, kritisch in den Blick zu nehmen.

Der Vortrag basiert auf einem Gutachten für das ehemalige BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung), das im Kontext des interdisziplinären Forschungsprojekts KI.ME.GE (Künstliche Intelligenz – Mensch – Gesellschaft) entstand.

Referent:in

Prof. Stefan Selke

Prof. Dr. Stefan Selke lehrt „Soziologie und gesellschaftlichen Wandel“ an der Hochschule Furtwangen (HFU). Er ist zudem Permanent Research Fellow an der Émile-Durkheim Forschungsstelle (EDFK) für Krisenanalysen der Universität Bonn, Forschungsprofessor für „Transformative und Öffentliche Wissenschaft“ und Gründer des „Public Science Lab“.
Selke studierte zunächst Luft- und Raumfahrttechnik und promovierte später in Soziologie. Als disziplinärer Grenzgänger und öffentlicher Wissenschaftler ist er als Keynote-Speaker, Buchautor sowie als Gesprächspartner der Medien regelmäßig auch außerhalb der Wissenschaft (TV, Radio, Zeitungen, Magazine, Online) präsent.
Seine aktuellen Forschungsthemen sind Zukunftserzählungen, Zukunftstechnologien sowie Zukunftsdesign. Dieses Portfolio umfasst u.a. Arbeiten zu real-utopischen Projekten, zu künstlicher Intelligenz als gesellschaftlicher Verheißung sowie zu neuere Weltraumutopien im Kontext der „New Space Exploration“.
Für sein Konzept der „NeoUniversity“ wurde Stefan Selke 2021 der Wolfgang-Heilmann-Preis der Integrata-Stiftung zum Thema „Humane Utopie als Gestaltungsrahmen für die Nach-Corona-Gesellschaft“ verliehen.

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