Wenn LSD auf das Lebensende trifft.
Psychedelika, existenzielle Angst und neue Perspektiven in der Palliative Care.
Eine lebenslimitierende Erkrankung bedroht nicht nur den Körper. Sie kann Gewissheiten erschüttern, Identität infrage stellen und Ängste vor Sterben, Tod und dem Verlust des eigenen Selbst auslösen. Gerade diese existenzielle Dimension entzieht sich häufig einer rein medikamentösen Behandlung.
Psychedelika wie LSD oder Psilocybin eröffnen hier einen ungewöhnlichen therapeutischen Ansatz. Statt belastende Gedanken und Gefühle lediglich zu dämpfen, können sie vorübergehend tiefgreifende Veränderungen von Wahrnehmung, Selbstempfinden und emotionalem Erleben ermöglichen. Mehrere klinische Studien zeigen, dass psychedelika-assistierte Therapie Angst und depressive Symptome bei Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen reduzieren kann. Gleichzeitig stellen diese Erfahrungen unser gewohntes Verständnis von Therapie, Bewusstsein und dem Umgang mit dem Sterben infrage.
In diesem Vortrag berichtet Dr. med. Sivan Schipper aus seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit mit psychedelika-assistierter Therapie in der Palliative Care. Anhand konkreter Erfahrungen geht es darum, was während einer solchen Therapie tatsächlich geschieht, welche Rolle Beziehung, Musik und therapeutische Begleitung spielen und weshalb eine einzelne psychedelische Erfahrung manchmal eine überraschend nachhaltige Veränderung auslösen kann.
Was wissen wir über Wirkung und Risiken? Für welche Patientinnen und Patienten könnte eine solche Behandlung sinnvoll sein – und für wen nicht? Und was bedeutet es für Palliative Care, wenn wir nicht nur versuchen, Leiden am Lebensende zu lindern, sondern Menschen ermöglichen, ihre Beziehung zum eigenen Sterben grundlegend neu zu erleben?

Referent:in
Dr. med. Sivan SchipperDr. med. M.Sc. Sivan Schipper ist Leitender Arzt für Innere Medizin, Schmerzspezialist und Ärztlicher Leiter Palliative Care am Spital Uster in der Schweiz. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich klinisch, wissenschaftlich und in der Lehre mit der Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen.
Nach einem dreijährigen Lehrgang in der SÄPT (Schweizerische Ärztegesellschaft für psychedelikaassistierte Therapie) vertiefte er sich insbesondere in deren Anwendung bei existenziellem Leiden, Angst und Demoralisation in der Palliative Care. Unter anderem leitet er eine klinische Studie zur LSD-assistierten Therapie bei Menschen mit fortgeschrittenen lebensbedrohlichen Erkrankungen und begleitet Patientinnen und Patienten im Rahmen psychedelischer Therapien. Darüber hinaus engagiert sich Sivan Schipper für die Aus- und Weiterbildung in psychedelikaassistierter Therapie in der Palliative Care, für die Verankerung der gesetzlichen Grundlagen zur legalen Anwendung und für die Entdämonisierung in der Öffentlichkeit, immer mit der Leit-Frage, wie psychedelische Erfahrungen verantwortungsvoll in die moderne Medizin eingebettet werden können.
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