Sterben lernen: Psychedelika, Meditation und Floatation als Werkzeuge einer säkularen Endlichkeitskultur?
Die Herausbildung einer säkularen Bewusstseins- und Endlichkeitskultur ist eng mit der Überwindung alltäglicher Sterblichkeitsverleugnung verknüpft. In diesem Zusammenhang gewinnt ein lebensdienlicher Umgang mit existenziellen Grenzerfahrungen, insbesondere dem Sterben und Tod, zunehmend an Bedeutung. Um die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit nicht nur auf intellektueller Ebene zu fördern, sondern auch als verkörperte Erfahrung zugänglich zu machen, bedarf es Methoden, die behutsam Zugang zu Zuständen ichloser Leerheit schaffen – Zustände, die der Phänomenologie des Sterbens nahekommen. Floatation-REST (Restricted Environmental Stimulation Technique) bietet hierfür eine niedrigschwellige und sichere Möglichkeit.
Erste Studien legen nahe, dass Floatation-REST Entspannung fördert und Angst reduziert, während es gleichzeitig minimale phänomenale Erfahrungen (MPE) ermöglicht, die durch den Verlust des Selbst-, Raum- und Zeitgefühls gekennzeichnet sind. Diese Zustände ähneln denen, die durch fortgeschrittene Meditation oder den Einsatz psychedelischer Substanzen erreicht werden können – jedoch ohne die damit verbundenen praktischen Herausforderungen oder psychischen Risiken. Floatation-REST bietet somit eine einzigartige Möglichkeit, sich mit nicht-egoischen, non-dualen Bewusstseinszuständen vertraut zu machen und zur Reflexion über die eigene Sterblichkeit anzuregen.
Da Floatation-REST die menschliche Endlichkeit erfahrbarer macht, kann es zur Enttabuisierung von Sterben und Tod sowie zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs damit beitragen. Vor diesem Hintergrund wird das bisher ungenutzte Potenzial dieser Methode deutlich, das für die Entwicklung einer säkularen Endlichkeitskultur von entscheidender Bedeutung sein dürfte und das es systematisch zu erschließen gilt.

Referent:in
Cyril CostinesCyril Costines ist Doktorand am Universitätsklinikum Freiburg und am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg. Er erforscht die phänomenologischen und neurophysiologischen Effekte von Psychedelika, Meditation und Floatation auf das menschliche Bewusstsein. Der Fokus seiner Forschungstätigkeit liegt auf der theoretischen und empirischen Untersuchung von Zuständen reinen Gewahrseins ohne Ich-Gefühl. Costines ist Mitglied des internationalen Forschungsnetzwerks zu minimaler phänomenaler Erfahrung (MPE). Er ist Mitbegründer von CIRCE e. V., einer gemeinnützigen Forschungsorganisation, die sich der systematischen Untersuchung veränderter Bewusstseinszustände widmet. Darüber hinaus ist er Mitinitiator des Contemplative Lab (ConLab), einer bürgerwissenschaftlichen Initiative, die den Dialog zwischen Meditationspraktizierenden und -forschenden fördern und so zur Etablierung einer säkularen Bewusstseinskultur beitragen möchte.
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