17. Oktober 2026 | 13.00 - 13.45 Uhr | Raum "Kandel" | Kongressticket erforderlich
Fachvortrag

Können Algorithmen trösten?


KI-gestützte Trauerbegleitung in der Diskussion.

Künstliche Intelligenz wird längst nicht mehr nur als technisches Werkzeug, sondern zunehmend auch als soziales Gegenüber mit teils menschlichen Eigenschaften wahrgenommen. Besonders in vulnerablen Phasen wie der Trauer um Verstorbene fungieren generative Sprachmodelle als niederschwellige, permanent verfügbare Adressaten für sehr persönliche Gefühle und Erfahrungen. War Trauerbegleitung bislang von menschlichen Beziehungen und professioneller Beratung dominiert, so eröffnen sich durch den Rückgriff auf konversationelle KI neue Möglichkeiten der Unterstützung und Entlastung. Zugleich gehen damit jedoch einige noch ungeklärte Fragen einher: Wie verändert die Interaktion mit KI die individuelle und kollektive Trauerverarbeitung? Kann ein Chatbot einen geschützten Raum für den Ausdruck und die Bewältigung von Verlustschmerz bieten? Inwieweit bergen die oft undurchschaubaren Algorithmen neue Risiken, emotional abhängig zu werden oder sich unbemerkt von Technik und Kommerzialisierung manipulieren zu lassen? Wie können digitale Souveränität und postmortale Persönlichkeitsrechte in diesem hochsensiblen Bereich gewährleistet werden? Welche Anforderungen ergeben sich für die Trauer- und Bestattungskultur der Zukunft?

Auf Basis aktueller Forschungen und praktischer Beispiele lädt der Vortrag dazu ein, die gesellschaftlichen Dimensionen dieser Entwicklung zu diskutieren und zu ergründen, unter welchen Voraussetzungen KI ein wertvolles Element der Trauerverarbeitung sein kann.

Referent:in

Dr. Matthias Meitzler

Dr. Matthias Meitzler arbeitet als Soziologe am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen. Seit über 15 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit unterschiedlichen Themen im Spannungsfeld von Sterben, Tod, Trauer und Gesellschaft – insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung. Seine Erkenntnisse hat er in zahlreichen Büchern, Fachartikeln und Vorträgen im In- und Ausland veröffentlicht. Er ist u.a. Gründungsmitglied des „Arbeitskreises Thanatologie“ und Mitherausgeber des seit 2022 erscheinenden „Jahrbuchs für Tod und Gesellschaft“. Seine weiteren Forschungsschwerpunkte liegen auf der qualitativen Sozialforschung, der Soziologie des Wissens, des Körpers, des Alter(n)s, der Emotionen und der Mensch-Tier-Beziehungen.

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