Durch Künstliche Intelligenz „weiterleben“ nach dem Tod.
KI-Dienste ermöglichen die Kommunikation mit den Imitationen von Toten. Was bedeutet das für Trauer, Selbstbestimmung und Pietät?
Viele Menschen verbringen einen Großteil ihres Lebens in und mit digitalen Medien. Ist es nicht reizvoll, auch nach dem Tod noch im Digitalen präsent zu sein? Künstliche Intelligenz macht es möglich, dass Verstorbene als Avatar oder Chatbot „weiterleben“ und mit den Hinterbliebenen sprechen. Das hat Auswirkungen auf den privaten Umgang mit Trauern und Sterben, betrifft aber auch öffentliche Personen und den Unterhaltungsbereich. Verstorbene Politiker nehmen zum Beispiel bereits an Wahlkämpfen teil, tote Schauspielerinnen sind wieder in neuen Hollywood-Produktionen aktiv.
Aber wie ist es, wenn der verstorbene Großvater für Fragen der Enkel oder Urenkel noch zur Verfügung steht oder Gute-Nacht-Geschichten vorliest? Was passiert, wenn der Avatar der verstorbenen Schwester Familiengeheimnisse ausplaudert oder aber falsche Informationen verbreitet? Können Trauerprozesse unter den neuen technischen Möglichkeiten leiden, oder ist es sogar von Vorteil und ein Trost, wenigstens mit der Imitation eines verstorbenen Menschen sprechen zu können? Oder geht es beim digitalen „Weiterleben“ um eine neue Stufe der Verdrängung von Sterben und Tod aus unserer Gesellschaft?
Der Vortrag gibt einen Überblick über KI-Angebote für das vermeintliche digitale Weiterleben, diskutiert die ethische Einordnung und zeigt mögliche Konsequenzen für unsere Trauerkultur.

Referent:in
Prof. Dr. Jessica HeesenProf. Dr. Jessica Heesen ist Leiterin der Forschungsgruppe Medienethik, Technikphilosophie & KI am Ethikzentrum der Universität Tübingen. Der Fokus ihrer Arbeit liegt auf den kulturellen und ethischen Implikationen der Digitalisierung und insbesondere der Nutzung von KI-Systemen. Sie forscht u. a. zur Frage, wie Techniken des Digital Afterlife das Erinnern und Trauern verändern könnten.
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