Online-Ausstellung

„Trauer im Wandel“

Die digitale Gesellschaft greift traditionelle Trauer- und Erinnerungspraktiken auf und erweitert diese um neue Möglichkeiten. Digitale Technologien und teils umfangreiche digitale Nachlässe mit Fotografien, Chat-Protokollen, Videos oder Sprachnachrichten, befähigen Trauernde, mit Erinnerungen kreativ umzugehen.
Lorenz Widmaier erforscht die Bedeutung digitaler Nachlässe für Trauer und Erinnerung, sowie digitale Trauer- und Erinnerungspraktiken. Die hier gezeigten Positionen sind Einblicke in diese Forschung.

Weitere Informationen unter www.memoryanddeath.com
 

Trauer ist lebhaft und nutzt schnell neue Möglichkeiten des Gedenkens, des Erinnerns und des Austauschs. Die Zitate zeigen, wie sich Trauer im 21. Jahrhundert – auch durch den Einzug digitaler Medien in den Alltag Trauernder – verändert hat. Lorenz Widmaier hat mit Hinterbliebenen über den geerbten digitalen Nachlass und über digitales Gedenken und Erinnern gesprochen. Die Zitate sind Einblicke in diese Forschung.

 

Silke D. (2020)

„Nachrichten an den Sohn“

Silke D. verlor ihren achtzehnjährigen Sohn durch einen Autounfall. Den Austausch mit ihrem Sohn über WhatsApp führte sie auch nach dem Verlust einige Zeit weiter. Aus Angst, die digitalen Erinnerungen zu verlieren, druckte sie Screenshots des WhatsApp-Verlaufs und bewahrt diese in einem Einsteckalbum auf. WhatsApp ist zu einem wichtigen Erinnerungsmedium für Hinterbliebene geworden, da hier der Alltag mit den Verstorbenen nacherlebt werden kann. Kurze Texte, Smileys, Fotos, Sprachnachrichten und Videos sind bedeutende und lebendige Erinnerungen, die es ohne digitale Medien nicht gäbe.

Lorenz Widmaier (2020)

„Ghosts on Google Maps“

Leslie Yajaira aus North Carolina entdeckte im Januar 2020 ihren verstorbenen Großvater über den Online-Kartendienst Google Maps, indem sie das Haus, wo er lebte, online aufsuchte. Auf Twitter veröffentlichte sie ein Video, das diese Suche dokumentiert. Der Tweet erhielt bis August 432.700 Likes. Als Antwort tweeteten auch andere Videos und Fotos ihrer Verstorbenen, die sie auf Google Maps fanden. Die Videoarbeit vereint neun dieser Tweets. Die weltweit wachsenden Datenmengen sind nicht nüchtern wie deren Rechenzentren, sondern durchwoben von Geschichten und Erinnerungen, die häufig verborgen bleiben, um dann wieder entdeckt zu werden. Die einfache Abrufbarkeit der Daten, losgelöst von Zeit und Ort, stellt neue Fragen an die Privatsphäre und erklärt die geisterhafte Erscheinung der Verstorbenen in den Videos.
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Foto: Leila Badblood
© Andrew Kötting / Ella Ziegler

Über

Die Austellung

„Nachrichten an den Sohn“ und „Ghosts on Google Maps“ werden aktuell auch im Rahmen der Ausstellung MEMENTO – im Museum für Sepulkralkultur (Kassel) – gezeigt. MEMENTO beschäftigt sich mit individuellen Formen des Erinnerns und Gedenkens und kann online besucht werden.

Live-Tag

Kommen Sie ins Gespräch

Am Live-Tag kann mit Lorenz Widmaier über die gezeigten Arbeiten, sowie über die Themen digitaler Nachlass und digitale Trauer, in einem Zoom-Videomeeting gesprochen werden. Im offenen Gesprächsformat können beliebige Fragen gestellt und Anregungen eingebracht werden.

DATUM: 07. Mai
Uhrzeit: 12:00 Uhr - 15:00 Uhr
 

Über

Lorenz Widmaier

Lorenz Widmaier ist Doktorand an der Cyprus University of Technology. In seiner Promotion erforscht er die Bedeutung digitaler Nachlässe für Trauer und Erinnerung, sowie digitale Trauer- und Erinnerungspraktiken. Mit seinem Forschungsstipendium ist er Teil des europäischen Trainingsnetzwerks H2020 POEM, das partizipative Erinnerungspraktiken untersucht. Mehr zur Forschung unter www.memoryanddeath.com
Die Forschung wird von Lorenz Widmaier durchgeführt, im Rahmen seiner Promotion an der Cyprus University of Technology. Das Projekt ist Teil des Europäischen Trainingsnetzwerks H2020 POEM, gefördert durch das EU HORIZON 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm unter der Marie Skłodowska-Curie Zuwendungsnummer 764859.

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