Home NEU Foren Palliative Care Braucht es noch mehr Öffentlichkeit für die Palliativmedizin? Antworten auf: Braucht es noch mehr Öffentlichkeit für die Palliativmedizin?

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Als ehrenamtliche Hospizbegleiterin mit einer guten Ausbildung durch unseren Beueler Hospizverein hier in Bonn weiß ich selber einiges über Palliative Care und die Möglichkeit von SAPV-Angeboten und kann diese Informationen auch weitergeben. Aber bei meiner letzten Begleitung eines Sterbenden zu Hause musste dieser leider eine schlimme Erfahrung machen, die ich dann mit ihm nur teilen konnte, aber nicht ändern. Nachdem er im Krankenhaus eine künstliche Ernährung verweigert hatte (mit Pat.verf. war alles geregelt), wurde er nach Hause entlassen und dort von seinem Neffen und einer osteuropäischen Hilfskraft versorgt. Als Sterbebegleiterin war ich, so oft es nötig und mir möglich war, auch dort. Der Sterbende konnte – und wollte – kaum Nahrung zu sich nehmen, nahm nur etwas Flüssigkeit auf, der Sterbeprozess begann und eine palliativ-medizinische Versorgung, z.B. zur Schmerzbehandlung, wäre wichtig gewesen. Der Versuch, den Hausarzt zu einem Hausbesuch zu bewegen, damit die Indikation für Palliativversorgung von medizinischer Seite klar gestellt würde, scheiterte daran, dass dieser einfach keine Zeit fand! Seine Praxis war total überlastet durch zu wenig Personal und zu viele Covid-Impfungen (!), dass er einigermaßen kurzfristig nicht kommen konnte! Und der Versuch, jemanden vom zuständigen Palliativteam direkt für einen Hausbesuch zu gewinnen, scheiterte nicht nur an der noch fehlenden Indikationserstellung durch den Hausarzt – auch sie sagten, dass sie zurzeit keine weiteren Patient*innen versorgen könnten, da einige aus dem Team inzwischen auf Intensivstationen „einberufen“ worden wären und das übrige ambulante Team jetzt einfach zu klein sei. So blieb es bei telefonischer (!) medizinischer Beratung durch eine Notärztin, die der Neffe einmal nachts rufen musste, die Schmerzversorgung und Hilfe gegen Atemnot erfolgte durch von ihr empfohlene Medikamente, die in der Apotheke besorgt werden konnten. Zum Glück waren die Schmerzen des Sterbenden nicht übermäßig stark, so dass Paracetamol erst einmal ausreichte; das zunehmend erschwerte Atmen und die dadurch entstehende Angst konnten mithilfe von Tropfen und vor allem durch menschliche Nähe erleichtert werden. Nach 8 Tagen zu Hause ist der 93-jährige dann im Beisein seines Neffen und einer guten alten Freundin am späten Abend ruhig gestorben…

Mich hat diese ganze Begleitung sehr nachdenklich zurück gelassen – es war dann gut so, wie es war. Aber die medizinische palliative Versorgung fehlte einfach und zeigte mir, wie begrenzt deren Möglichkeiten und Personalstärken, gerade jetzt in Pandemiezeiten, leider immer noch sind. Das wollte ich einfach hier mal loswerden…

Gruß aus Bonn! Barbara

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