Home Foren Trauerbegleitung Ist Trauerbegleitung in der breiten Öffentlichkeit bekannt?

Anzeigen von 1 - 6 der 6-Antworten
  • Autor
    Beiträge
  • #1892

    Ich werde im Trauerchat oft gefragt, was Trauerbegleitung ist.

    Was muss geschehen, damit Trauerbegleitung in unserer Gesellschaft so etabliert ist, wie Psychotherapie? Das findeich wünschenswert.

    Ich glaube, dass in der breiten Öffentlichkeit leider das Thema Trauer noch immer ein Tabuthema ist und dann hochkommt, wenn es extreme Geschehen gibt.

    In der Coronazeit merke ich, dass dies etwas aufbricht. Ich möchte ermutigen mehr über Gefühle zu sprechen.

    Ich freue mich wenn wir uns darüber mal austauschen können!

  • #1957

    Hallo Susanne,
    dass Psychotherapie wirklich so etabliert ist, sehe ich nicht ganz so. Dazu ist das Angebot viel zu gering und Hilfebedürftige müssen viel zu lange warten, um eine Psychotherapie in Anspruch nehmen zu können. Die Hürden sind schon echt enorm. Was sie allerdings der Trauerbegleitung voraus hat, ist die Anerkennung durch die Krankenkassen.
    Und da liegt m.E. der Hase im Pfeffer. Solange ich auf ehrenamtliche Angebote angewiesen bin, um in der akuten Trauer Hilfe und Begleitung zu bekommen, bleibt das Ungleichgewicht bestehen.
    Ein anderer sehr wichtiger Punkt ist für mich auch, dass Trauer in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Depression gleichgestellt wird und man schnell zum Psychotherapeuten und damit „weggeschickt“ wird. Das wurde ich auch oft gefragt, ob ich nicht zu einer Therapeutin gehen wolle. Nein, wollte ich nicht, weil ich wusste, wie eine Psychotherapie arbeitet und dass meine Trauer da nicht richtig aufgehoben ist.
    Trauer ist nicht heilungsbedürftig, sie will gesehen und anerkannt werden, braucht ihren Raum und Verständnis.
    Aber wie soll Trauerbegleitung der breiten Öffentlichkeit bekannt werden? Das ginge im ersten Schritt als automatisches Angebot über Bestatter, Standesamt, Versicherungen, also offizielle Stellen, mit denen man in jedem Fall in Kontakt kommt. Auf Eigeninitiative zu bauen, ist für mich der falsche Ansatz.
    Da liegt ein Weg vor uns!

  • #1962

    Hallo Regina,

    eigentlich sind wir gar nicht so weit auseinander in unseren Meinungen..

    Was ich ansprechen möchte ist genau das, was Du schilderst : die Anerkennung durch die Krankenkassen. Vielleicht ist das in meiner Stellungnahme nicht ganz durchgekommen. Da ist die Psychotherapie schon weiter.

    Wenn ich sehe wie wir im Bundesverband Trauerbegleitung hartnäckig kämpfen müssen um die Anerkennung, damit wir als Präventionsangebot über die Krankenkassen abrechnen können, sehe ich da ein absolutes Ungleichgewicht. Für mich ist Trauer ein Gefühl was zum Leben dazugehört. Ich habe mal einfach meine Krankenkasse gefragt, ob ich nicht über sie abrechnen könnte. Was bekam ich zur Antwort? Nein -da müssten die Menschen erst krank sein.

    Dann habe ich mal gerechnet. Im Fall das jemand als evtl. Folge von Trauer depressiv wird mit der Folge das er in eine Klinik käme. Dann kostet das die Krankenkasse 350€ pro Tag.. Meine Begleitung in der Prävention würde bei 10 Treffen 400 € kosten mit dem Erfolg das ich zurückgespiegelt bekomme, es gabe sehr geholfen und weitergebracht.

    Da kommem wir nun auf Finanzen.

    Ich selbst habe auch mit Depression zu tun gehabt aber auch sehr viel Teauer nach dem Tod mehrerer geliebter Menschen. Ich finde Trauer ist keine Krankheit. Für mich war die Depression ein Hilferuf meiner Seele, das es ihr nach etwas dürstet was sie zu dem Zeitpunkt dringend gebraucht hat.

    Auch in der Trauer habe ich meine Seele gehört die etwas brauchte – die Zeit, das Verstehen und Begreifen des Todes, Nenschen die einfach da sind und nicht weglaufen. Als Trauerbegleiter gehen wir schon den Weg über die Medien, die Bestatter und andere öffentliche Stellen. Das tuen wir regelmässig.

    Aber ich finde Wir sind mit dem Thema nicht genug in der Gesellschaft angekomnen.

    Das war schon mal anders.

    Ich habe mich damit sehr lange beschäftigt, wie die Trauer und der Tod in den Jahrhunderten hier bei uns behandelt wurden. Wir müssen dieser Seite des Lebens wieder einen Platz geben. Ja da liegt eine Menge Arbeit vor uns – in der Leben und Tod Messe sehe ich einen der Anfänge. Regina Danke für Deine Antwort Susanne Hövelmann

  • #1963

    Was ich noch zu Depressiion und Trauer sagen will. Für mich war due Depressiion auch ein Ausdruck der Trauer im Leben auf Grund von Geschehnissen im Leben. Da habe ich manches sehr ähnlich erlebt wie in der Trauer nach dem Tod.

  • #1966

    Ja Susanne, wir liegen ganz nah beieinander!
    Auch bei deinem Gedanken, dass das Thema Trauer mal in unserer Gesellschaft integriert war und nun immer weiter an den Rand geschoben wurde.
    Ich z.B. wurde als Kind nie mit zu Beerdigungen genommen und als meine Oma bei uns zuhause gestorben war, wurde ich weggeschickt. Wir lernen gar nicht mehr mit Trauer und Trauernden umzugehen.
    Dass die Schere zwischen Trauernden und Nicht-Trauernden immer weiter auseinander geht, bemerke ich immer wieder in Foren. Dort wird häufig beklagt, dass z.B. die falschen Worte beim Kondolieren gewählt werden oder sich Menschen zurückziehen, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Bei mir war es früher auch so, ich hatte es nicht gelernt. Ich habe es erst als direkt Betroffene gelernt.
    Und gerade Kinder machen uns vor, wie sie mit der Trauer anderer unbefangener umgehen können. So habe ich es selbst erlebt und mir was dabei abgeguckt.

    Über deinen Gedanken zur Verbindung von Depression und Trauer werde ich noch etwas nachdenken. Im Nachhinein fühlte sich meine Depression ganz anders an als die Trauer. Die urgewaltige Trauer hat mir meine Depression in einem anderen Licht gezeigt. Aber wie du es beschreibst, kann ich es auch sehr gut nachvollziehen.

  • #1998

    Danke Regina,

    der Austausch mit Dir ist sehr gut .Schau gerne mal an meinem Onlinestand vorbei

    Themenwelten Leben und Tod und Trauerbegleitung ,das würde mich sehr freuen.

Anzeigen von 1 - 6 der 6-Antworten

Melden Sie sich an, um zu antworten.

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie regelmäßig Neuigkeiten oder Hinweise auf interessante Themen.

 



 

Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer E-Mails klicken. Informationen zu unseren Datenschutzlinien finden Sie auf unserer Website.