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“Kommunikation in der Zeit der Trauer” – Wie können neurobiologische Erkenntnisse dazu beitragen, uns besser zu verstehen?

Fachvortrag / Stream

24. Okt, 11:30 - 12:15 Uhr

Raum: Feldberg

Trauer ist auf das Mit-teilen ausgerichtet. Wenn Trauernde weinen, wird das von anderen meist wahrgenommen und ruft Reaktionen hervor. Neurobiologische Untersuchungen zeigen allerdings, dass nach traumatischen Erfahrungen die Aktivität des Sprachzentrums meist eingeschränkt ist.

Trauer kommt zunächst vielfach in Mimik und Gestik, in Symbolen und Ritualen zum Ausdruck. So kann sie mit mitempfunden und geteilt werden. Langsam kann dann die Verlusterfahrung in die eigene Lebensgeschichte integriert werden. Trauer ist Arbeit, sich mit dem Abschied und den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Doch Trauer braucht auch Erholung.

Es ist notwendig, frei zu werden vom übermäßigen Stress und sich immer wieder zu entspannen. Trauer verläuft nicht in festgelegten Phasen, sondern eher in einem weiten Spielraum, in dem es zum Pendeln kommt zwischen Auseinandersetzung und Erholung, Vergangenheit und Zukunft, eigener Lebenspraxis und Verbindung zur verstorbenen Person. Die Kommunikation mit ihr kann weit über ihren Tod hinaus gestaltet werden. Wut kann manchmal im inneren Dialog gelöst werden; auch kann es zu einer Entlastung von Schuldgefühlen kommen. Vielfach können Dank und Liebe weiterwirken und das eigene Leben bereichern. In einem solchen Verständnis ist Trauer keine Störung, sondern eine heilende Kraft, die auch vor Burnout und Depression schützen kann. Da im Trauerprozess das Mit-teilen so wichtig ist, sollten vielfältige Weisen der Begleitung angeboten werden.