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Fachvortrag

"Sündenbock oder Unschuldslamm – die narrative Kraft von Schuldvorwürfen am Lebensende"

09.30 - 10.15 Uhr
Juist

In den guten Zeiten des Lebens fragen Menschen selten "Wieso ich?", "Wer ist Schuld an dieser Situation?". Vorwürfe und Schuldzuweisungen treten in Krisen auf, und sie können in diesen verzweifelten Lebenssituationen bestimmte Funktionen erfüllen. Dazu gehört die narrative Kraft einer Geschichte, in der es "Täter" oder schlicht "Verursacher" gibt. Die subjektiv zerbrochene Welt fügt sich so zu einem scheinbar logischen Ganzen, mit dem sich die real existierenden Unsicherheiten und Unklarheiten besser aushalten lassen.

Die "Ermächtigung" zum Handeln angesichts erlebter Ohnmacht im Krankheits- und Sterbeprozess gehört ebenfalls zu den Bedürfnissen, die Schuldvorwürfe den Sterbenden aber auch ihren Zugehörigen erfüllen können: Einen anderen (oder sich selbst) beschimpfen, ihn "mit Verachtung strafen" mag die letzte Form von Autarkie sein, die bleibt.
Der genaue Blick auf die möglichen Funktionen von Schuldzuweisungen ermöglicht es Betroffenen, sich selbst besser zu verstehen und sich nicht auch noch "schuldig zu sprechen für die ausgesprochenen Schuldvorwürfe".
Begleitende lernen durch die vorgeschlagene differenzierte Betrachtungsweise der "Konstruktiven Schuldbearbeitung" (Chris Paul), ihre Reaktionen und Gesprächsangebote gezielter als bisher einzusetzen.

Referent/-in:
Chris Paul
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